Trompetenklang schallte übers weite Land und den Menschen, die eilends das Bürgerzentrum ansteuerten, wurde es warm ums Herz bei „O Heiland reiß den Himmel auf“, „Es kommt ein Schiff geladen“ und weiteren bekannten Liedern. Der Wind blies eisig, was den Trompeter Matthias Kick aber nicht abhielt, vom Balkon herunter seinen musikalischen Willkommensgruß auszusenden. Traditionell wurden die zahlreichen Gäste im Saal mit weihnachtlichen Weisen begrüßt, dargeboten vom Querflötenquartett mit Andrea Höchstädter, Irmgard Kammermeyer, Ruth Scheihing und Elisabeth Wolf: „Macht hoch die Tür“ und die jubilierenden Flöten bei „In dulci jubilo“  bereiteten einen stimmungsvollen Auftakt.

„Soweit ich mich erinnern kann, war die Matinee noch nie so gut besucht wie heute“ stellte Bürgermeisterin L.-M. Herrmann in ihrer Begrüßung fest. Nicht ohne Stolz verwies sie auf die vielen Besucher aus Lichtenwald selbst, war zugleich auch erfreut über die große Resonanz aus nah und fern. In einem kurzen Rückblick wies sie auf die Glanzpunkte der vhsARTlichtenwald  2009 hin, so u.a. auf  Streicheleinheiten, Die Zeit der Staufer, Wanderkonzert, Forum Junge Künstler, Haydn, Mendelssohn, Offene Künstlerhäuser und die Autorenlesung mit Dr. Inge Jens, die großes Interesse fanden. Nicht unerwähnt bleiben dürfen Dankesworte der Bürgermeisterin an die Leiterin von vhsARTlichtenwald, Lotte Hermann, sowie an die vielen ortsansässigen Künstler.

Weihnachten in Literatur und Musik bot auch diesmal Kostbarkeiten. „Wieder ist’s Weihnacht, ihr sehnenden Herzen, wieder die Tage der Freude im Leid“ von Martha Gärtner. Schauspieler Ernst Specht gelang es schon beim ersten Gedicht, seine Zuhörer dem Alltag zu entreißen und auf den Weg nach Weihnachten mitzunehmen. Ernst Wiecherts „Auf eine Krippe“ baut im letzten Vers auf Hoffnung: „Wenn sich jede Tür verschließt, eins kannst du bewahren: Dass du vor der Liebe kniest noch in weißen Haaren“. In Andacht verharrend erklang „Still, still, still“, innig vorgetragen von der Sopranistin Susanne Lindner, begleitet von Elisabeth Wolf, Flöte und Jost Cramer, Klavier. Von Peter Cornelius sang sie auch das Lied vom Christbaum: „Wie schön geschmückt der festliche Raum, die Lichter funkeln am Weihnachtsbaum“. „Weihnachten ist eigentlich ganz anders“ meint Andrea Schwarz. Sie durchforstet die erbärmlichen Unwägbarkeiten menschlichen Seins: „dazu gehört auch Weinen, Angst und Hoffnungslosigkeit, dazu gehört manchmal auch der Dreck im eigenen Stall“.

Das Flötenquartett, das zunehmende Beliebtheit genießt, ließ mit einem Allegro-Satz in F-Dur von Leonard von Call sämtliche Engel tanzen und von Georg Ph. Telemann spielten sie das festliche Concerto B-Dur 'Grave-vivace'. Als wäre er nochmals zurückgekommen – Erich Kästner mit seinem „Brief an den Weihnachtsmann: Komm und zeige dich erbötig, und verhau sie, dass es raucht! Denn sie haben’s bitter nötig, und sie hätten’s längst gebraucht“. Denke man an die jetzige Krise, so fallen dazu Namen ein. Matthias Kick wägte eher ab und blies mit Lust und Wonne das schöne alte Lied „Wie soll ich dich empfangen?“, auch „Go tell it on the mountain“ hat er wunderbar rübergebracht. James Krüss hatte im Wald das „Tannengeflüster“ belauscht und zu Papier gebracht und mit Blick auf das Firmament „Die lustige Weihnacht“ gereimt. Schwelgen in Erinnerungen – da fügte sich doch „Souvenir“ e-Moll für Flöte (Ruth Scheihing) und Klavier (J. Cramer) von W. Popp punktgenau ein. Heinrich Albertz erzählt in „Eine andere Weihnachtsgeschichte“ von einem ausgehungerten jungen Hund, der um Aufnahme flehte, und Jean Anouilh weiß wo das verlorene Jesuskind zu finden ist: Im Herzen der Armen, Kranken, Heiden. Weitere Gedichte folgten von Ringelnatz, Theodor Storm, Jochen Klepper, Kurt Haberstich, Hanns Dieter Hüsch, Robert Anger. „Heiligabend“ von Luise Rinser mit schicksalhafter Begegnung im Krieg, fernab von heiler Welt mit dem richtungsweisenden Satz „Weglaufen nützt nichts, junge Frau! Anschließend ein schöner Andantesatz in D-Dur von Franz Schubert. Jost Cramer spielte weich, besänftigend und doch war herauszulesen, dass auch künftig Kummer und Leid nicht auszuklammern sind.

Es war eine besondere Matinee, die Wurzeln schlagen lässt, mit einem herausragenden Ernst Specht, eingebettet in einen berührenden musikalischen Rahmen. Wenn das Fest der Liebe in uns verortet ist, ja dann ist Weihnachten.

Lotte Hermann dankte für das wunderbare Zusammenwirken aller Beteiligten, die durch Wort und Musik faszinierten und fügte aus Jesaja 60 an „Mache dich auf, werde licht! Denn dein Licht kommt“.

G. Reuß

(Photos copyrigth Wolfgang Langer)