Standing Ovations für Maestro Martin Pillweinbei seinem Gesprächskonzert im Bürgerzentrum Lichtenwald am 19. Februar 2006

Nach dem griechischen Philosophen und Mathematiker Pythagoras ist Musik Ausdruck der harmonischen Ordnung des Kosmos. Er räumt ihr einen hohen Stellenwert in der Erziehung und selbst bei der Heilung von Krankheiten ein. Damit ist der Bogen geschlagen zu einem musikalischen Schatzkästlein, einem wahrhaften Gesundbrunnen, der sich über die vielen begeisterten Konzertbesucher in so kostbarer Weise ergoss. Martin Pillwein, der charmante Conférencier und brillante Klaviervirtuose in einer Person, begeisterte Jung und Alt, nahm sie allesamt mit auf eine Zeitreise anno 1756 -1791.

Mit der wohl am häufigsten gespielten Klaviersonate in A-Dur KV 331, die im Som-mer 1778 in Paris entstand, wurde der Abend eröffnet. Der üppige Wohlklang, die aus-drucksvollen und charakteristischen Themen sowie der große Reichtum an nuancierten Ge-fühlen, haben sie allgemein bekannt gemacht. Die Sonate beginnt im ersten Satz mit Tema con variazioni so köstlich leichtfüßig, wechselt im zweiten Satz in ein verhaltenes Menuetto um schließlich im dritten, einem Allegrettosatz, jenes Feuer zu entfachen, dessen Melodien-kaskaden, einem Ohrwurm gleich, nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen. Wie spritziger moussierender Champagner präsentierte sich dieser herrliche türkische Marsch. Das war Mozarts erster Beitrag zu dem in jener Zeit beliebten türkischen Kolorit in der Musik.

Im Blick auf die nachfolgende Sonate B-Dur KV 333 sprach Pillwein von unglaubli-chen Dimensionen, einem Reigen sanfter Melodien als Ausdruck heiterer Glückseligkeit z.B. beim Allegrosatz, dagegen im „Andante cantabile“ das Ausloten von Abgründen, dann doch wieder die Abkehr in versöhnende Bereiche um letztlich mit dem „Allegretto grazioso“ diesen enormen Drahtseilakt zu beenden.

Die sehr bewegte Sonate C-Dur KV 545 gilt als Krönung der mittleren Schaffenspe-riode Mozarts, jedoch gelang ihm mit der Sonate D-Dur KV 576 der große Wurf aller Sona-tenformen, nämlich die einer vollkommenen Synthese des polyphonen Spiels, das Gefühl und Wut ausdrückt.

Die Sonate a-moll KV 310 könnte, so Pillwein, im Zusammenhang mit dem Tod sei-ner Mutter entstanden sein. Vielleicht war er nach dem Tod der Eltern auf der Reise zu sich selbst, was auch seine Aussage belegen mag „Der Tod sei der Schlüssel zur wahren Glück-seligkeit“. Die Sonate legt davon Zeugnis ab.

"Das Gesprächskonzert fand auf sehr hohem Niveau statt. Martin Pillwein verstand es, Mo-zart so zu skizzieren, wie wir ihn lieben und verehren: Das Befreiende und Beglückende, die ungekünstelte Selbstverständlichkeit seiner musikalischen Gedanken. Er wollte den Men-schen nicht verändern – nur verwandeln. Bei Mozarts Musik sei Banales mit dem Erhabens-ten oft eng verzahnt, sie reicht von unschuldig-kindhafter Daseinslust bis in die Zonen ge-heimen Jenseitswissens. „Wenn du einem Menschen Gutes tun willst, dann spiele ihm Mo-zart vor“. Seine Musik ist leicht wegen ihrer Anmut, ihrer Melodienfülle, ihrer klaren und voll-kommenen Gestaltung schwer wegen ihrer Tiefe, ihrer Subtilität, ihrer Leidenschaftlichkeit."

Martin Pillwein beschenkte alle aufgrund seiner brillanten pianistischen Spielkultur und seiner galanten Erzählweise mit einem unvergesslichen Mozartabend.In ihrem dankenden Schlusswort sprach Lotte Hermann dem Pianisten ein besonderes Kompliment aus, indem sie ihn einen begnadeten Künstler undhinreißenden Erzähler nannte.

F. K. Reuß


Jubilate ! – Eine Lichtenwalder Kulturreihe im Mozartjahr 2006

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